[…] unsere ersten 6 Monate im Ausland sind um, schon ein halbes Jahr sind wir inzwischen weg, ein halbes Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen und schon seit einem halben Jahr entdecken wir immer wieder Neues, lernen dazu und zeigen einem anderen Volk etwas von unserer Kultur.
Arbeit
Im Heim geht es mir auch immer besser, Ende Dezember und Januar hatte ich dort das totale Tief…. habe keinen Sinn in meiner Arbeit gesehen und ueberhaupt…
Aber inzwischen geht es immer gut. Unterrichte jetzt jeden Morgen Englisch fuer die, die wollen und dadurch ist meine Arbeit schon sinnvoller geworden.
[…] Auch habe ich inzwischen das Gefuehl, dass ich von den Mitarbeitern akzeptiert werde und das bedeutet schon einiges. So haben wir am Feiertag fuer den 8. Maerz zusammen gefeiert und getanzt, und auch sonst wurde ich im Februar (nach ueber 4 Monaten im Heim) von einer Erzieherin nach meinem Namen gefragt, was ja irgendwie bedeutet, dass es mich jetzt existiert, davor war ich halt nur irgendjemand der kommt…
Ich weiss nicht, ob das irgendwie verstaendlich ist, aber es sind eben die kleinen Momente die mich spueren lassen, dass ich jetzt ein Teil des Kinderheims bin.
Multikulturelles Kirgistan
[…]Kirgistan ist ja an sich schon sehr spannend, da wir die ganzen russisch-orthodoxen, sowjetischen, sowie muslimischen Feiertage feiern und es ist ein total spannender Mix. Es gibt viele verschiedene Nationalitaeten und alle leben in Einklang nebeneinander… das einzige was gehasst wird, sind die Politiker, sowie Korruption. Sprich: Geld = Macht.
24. Maerz 2009
[…]Hier in Kirgistan war ich an deinem Geburtstag mit vielen Kirgisen und anderen Deutschen auf dem Land und wir haben total das leckere Schaschlik gemacht, also besser gesagt Asamat hat das leckere Schaschlik gemacht. Dazu gab es dann Brot und verschiedene Salate, sowie auch Bier und Wodka. […]
Hier ist der 24. Maerz uebrigens seit 4 Jahren ein Feiertag, denn am 24. Maerz 2005 war die kirgisische Revolution, bei der Akaev gestuerzt wurde und danach kam Bakiev an die Macht, und das ist er immer noch. Doch eher schlecht als recht. Und fuer Freitag (27.3.09) ist eine Demonstration geplant, da 2 Oppositionspolitiker umgebracht worden sind. […]
Familie
Ich selber wohne hier zusammen mit einer total lieben Familie und ich koennte mir ehrlich keine bessere vorstellen. Wir wohnen hier in einem einfachen Haus, anfangs fand ich es ziemlich leer, da Kirgisen kaum Schraenke haben, doch nach und nach stellte sich heraus, dass es sich dafuer mit Leben fuellt.
In der Familie habe ich 3 kleine Schwestern. Adelja ist 8 Jahre alt und ihr Problem ist, dass sie nicht denken will und anstatt dessen immer nur sagt „Ich weiss nicht“. Ajana ist 5 Jahre alt und eine total suesse, anfangs etwas bockig mir gegenueber, aber inzwischen ist es am Besten mit ihr. Und Altynai ist inzwischen 3 Monate alt und einfach nur klein… schaut die ganze Zeit in der Gegend rum und heute z.B. hat sie den ganzen Tag ueber gelacht, voll schoen!
Ansonsten habe ich natuerlich noch Gasteltern, Alybek ist 47 Jahre alt und Security Mensch. Seine Schwaechen sind ab und zu der Alkohol und immer das Problem, dass er mit Geld nicht richtig umgehen kann. Seine Staerken allerdings, dass er viel Allgemeinbildung hat und mich immer ueber deutsche Geschichte aufklaeren kann, sowie das er total lecker und auch total gerne kocht, was fuer Kirgisen und die Maenner-Frauen-Rolle hier total exotisch, aber dadurch auch sehr interessant ist.
Und zu guter letzt natuerlich noch meine Gastmutter Toktokan, die liebste ueberhaupt. Ich glaube ich habe mich noch mit niemanden in Kirgistan soviel unterhalten wie mit ihr, nicht mal mit den anderen Deutschen. Was ich total interessant finde ist, dass sie den kirgisischen Traditionen und dem Leben treu bleibt und das auch will, aber trotzdem total offen fuer Neues ist. Denn hier gibt es viele, die sich nach Westen (Russland, Tuerkei, Europa) richten und die eigene Kultur verleumden. Auch versteht sie mich einfach und weiss, wie sie mit meinen Aussagen umgehen kann.
Dies faengt schon bei ganz kleinen Sachen an, vllt ist ein Beispiel besser um es zu verstehen, so ist es in Kirgistan z.B. immer ueblich zum Tee einzuladen. Wenn ein Kirgise dann „Nein“ sagt, muss man ihn noch und noecher dazu bitten, bis er endlich zusagt, wenn man das nicht macht, so wird gelaestert, dass man gastunfreundlich sei. Meine Gastmutter dagegen weiss bei mir ganz genau, dass wenn ich etwas will, dann sage ich es auch, wenn nicht, dann sage ich es auch.
Das Haus an sich hat 3 Raeume, 2 Waschbecken (eins am Eingang und eins in der Kueche) und einen schoenen Ofen. Schoen im Sinne, dass er im Winter gut waermt und das ganze Haus mit dem Geruch von verbranntem Holz fuellt, total schoen!
Ich wohne hier ausserdem ziemlich zentral, laufe 10min zur Arbeit, 25min zum Platz der Revolution, 35min zur Philharmonie. Also alles ziemlich nah und gut zu erreichen.
Freizeit, Osch-Basar und der 39,5. Geburtstag
Ich gehe hier jetzt 2-3mal die Woche ins Fitnessstudio, meistens Yoga, aber ab und zu auch Tanzen. An die Geraete gehe ich nicht mehr, dass habe ich einmal gemacht und danach taten mir 5Tage lang meine Beine so verdammt weh, dass ich keine Treppenstufen mehr laufen konnte, das war eine Erfahrung fuer sich, aber bei uns zuhause haben wir zum Glueck insgesamt nur 5 Stufen, also nicht so viel, zum Glueck!
Ansonsten bin ich viel zuhause, helfe im Haushalt mit, kuemmer mich um die Kinder, oder ich fahre zum Osch-Basar und kaufe dort Gemuese, Obst, Nudeln, Reis, Kaese, etc. ein. Zum Osch schreibe ich dir spaeter noch mehr, denn ich liebe ihn einfach.
In meiner sonstigen Freizeit treffe ich mich mit Freunden, Kirgisen oder Deutschen, und mehr Zeit ist dann auch nicht mehr da.
Und dann arbeite ich ja auch noch im Kinderheim, deshalb bin ich ja auch da… dort unterrichte ich jetzt jeden Morgen Englisch und ansonsten unterhalte ich mich mit den Kindern und spiele mit ihnen.
Insgesamt bin ich ausgefuellt, habe aber trotzdem nie Stress, denn sowas gibt es in Kirgistan ja nicht.
Zum Osch-Basar.. es ist ein Riesen-Basar und du kannst immer wieder Neues entdecken. Meistens bin ich nur beim Obst und Gemuese, aber oft auch bei den verschiedenen Halva-Staenden, beim Mehl, oder bei den Schreibwaren. Je nachdem was man eben braucht. Es gibt alles auf dem Osch, man muss es nur finden.
Und der Osch ist wirklich eine Sehenswuerdigkeit, wenn du mal herkommst, dann geh auf jeden Fall auf den Osch. Als Auslaender wirst du zwar anfangs total ueber den Tisch gezogen, also du kriegst teurere Preise, aber spaeter, wenn du Bescheid weisst kann man gut handeln und irgendwann kennen dich die Haendler auch und geben von sich aus noch guenstigere Preise. So habe ich z.B. meinen Stamm-Stand, bei dem ich Trockenfruechte einkaufe und einen, bei dem ich Schokolade einkaufe (naja, es gibt auch nur einen Stand, der hausgemachte Schokolade verkauft.)
Und am Wochenende fahren wir ab und zu aufs Land oder Kirgistan weiter erkunden. Ich war zwar schon lange nicht mehr am Wochenende unterwegs, aber jetzt beginnt der Fruehling richtig und es geht los.
Bevor Jaqui abgeflogen ist (auch eine Freiwillige) waren wir zusammen in der Sokoluk-Schlucht, die Berge da sind der absolute Hammer! Wir wollten eigentlich zum 100m hohen Wasserfall, den es laut Reisefuehrer dort gibt, aber wir haben ihn leider nicht gefunden, bzw. wir sind einfach nicht so weit gekommen und mussten dann aus Zeitgruenden wieder umkehren, aber es hat sich trotzdem auf jeden Fall gelohnt!
Und letzten Sonntag z.B. haben wir mein Zimmer neu gestrichen, jetzt ist es wieder weiss, also die Waende, ausserdem haben wir die ganzen Teppiche rausgenommen, denn durch den Zementboden muss man die ab und zu mal lueften. Ingesamt sieht mein Zimmer jetzt nicht viel anders aus, aber das macht nichts.
Das Ganze haben wir aber gemacht, da wir am Montag Besuch bekommen haben, denn meine Gastmutter ist jetzt 39,5 Jahre alt geworden, ein Grund zum Feiern.
Also ich hab vorgeschlagen, dass wir feiern, denn an ihrem Geburtstag bin ich nicht mehr da, sondern wieder in Deutschland. Sie meinte dazu, dass der 40. Geburtstag in KGZ sowieso nicht gefeiert wird und deshalb haben wir jetzt gefeiert.
Es gab viel zu Essen, so haben wir am Sonntagabend noch Borsok gemacht (das mach ich mal, wenn ich wieder in DE bin, dann siehst du es), und am Samstag hatte ich schon Kuchen vorbereitet, einen Quark-Streuselkuchen und dann noch Muerbeteigkuchen, den ich dann am Montag noch mit Schokopudding und Bananen, Trauben und Ananas aufgepeppt habe. Ansonsten gab es noch Suppe, viele verschiedene Salate und noch Pizza.
Insgesamt alles lecker!
Lerne hier sowieso alle traditionellen kirgisischen Gerichte zuzubereiten, so kann ich schon Borsok, Lagman-Lapscha (Nudeln), Gemuese-Mante (viel besser als die mit Fleisch!) und besch barmak zubereiten. Muss die ganzen Rezepte nur noch aufschreiben, denn sonst vergesse ich sie wieder.




















