Ein normaler Tag:
Ich wache vor dem Klingeln meines Handyweckers auf, lese noch, bis das Handy klingelt, dann stehe ich langsam auf, dusche und zieh mich an. Im Zimmer hoere ich wie vor dem Haus 11 ein Auto immer hupend hoch und runterfaehrt. Ich gehe in die Kueche und koche Wasser, schuette in meine Tasse etwas von dem Teekonzentrat und giesse es mit heissem Wasser auf. Dann mache ich mir noch Haferschleim und schneide noch verschiedene Trockenfruechte rein.
Ich esse und trinke, gehe ins Bad und mach mich fertig um rauszugehen. Natuerlich immer schon mit der Ueberlegung wieviele Kleiderschichten man braucht, um nicht zu frieren. Momentan sind es 4 Schichten + eine dicke Winterjacke, welche ich letzte Woche erworben habe.
Eingepackt gehe ich an die Tuer, ziehe meine Schuhe an und gehe aus der Tuer raus und schliesse sie hinter mir ab.
Ich gehe die paar Stufen auf die Strasse runter und gehe links Richtung Park und durchquere ihn einmal. Es riecht nach verbranntem Holz und Laub. Die Voegel suchen sich alle die letzten Essensvorraete fuer den Winter und man hoert sie ueberall und sieht sie auch ueberall rumhopsen.
Ich verlasse den Park, springe ueber die /Schlagloecher/ und biege vor dem Haus 4 ein. Dort laufe ich dann bis zum Ende und gehe rechts runter in Richtung Bushaltestelle. Auf dem Weg zur Bushaltestelle komme ich an vielen kleinen Staenden vorbei, an denen es einfach alles gibt, an einem gibt es Obst&Gemuese, am naechsten Socken und Struempfe und wieder am naechsten alle moeglichen Kuchenhilfen wie Schoepfkellen und aehnliches. Auch gibt es eine Menge kleiner Staende, an denen man Sonnenblumenkerne, einzelne Zigaretten oder Kaugummis kaufen kann. Wenn ich an die grosse Strasse komme, schaue ich nach links, ob dort der Bus schon an der Ampel steht, wenn ja, dann renne ich bis zur Bushaltestelle, wenn nein laufe ich in aller Ruhe, schaue nach hinten Richtung Berge, ob sie heute gut zu sehen sind, und komme irgendwann an die Bushaltestelle.
Ich warte auf die Linie 9 oder 11, normalerweise kommt die 11 zuerst, sodass ich einsteige und mir einen Sitzplatz aussuche, an dem die Chance besteht, dass ich nicht aufstehen muss. Also meist hinten und am Fenster. Der Bus faehrt ungefaehr 25min zur Arbeit, auf dem Weg schaue ich mir den aktuellen Wechselkurs vor den unzaehligen Wechselkursen an und sehe, dass der Euro weiter gefallen ist.
An der 3. Haltestelle auf der Prospekt Mira steige ich aus. Und gehe noch 5min bis zum Heim.
Dort kommt mir Nurisa mit ausgestreckten Armen entgegengerannt und will auf den Arm genommen werden. Ich umarme sie und geh mit ihr an der Hand hoch. Sie ist ein bisschen beleidigt, dass ich sie nicht auf den Arm genommen habe.
Ich gehe zu erst einmal ins Klassenzimmer und in das dahinterliegende Mitarbeiterzimmer. Dort lasse ich meine Tasche und ziehe auch meine Jacke aus, ich begruesse die Mitarbeiter und hoere dieses Backstreet Boys Gedudel, das andauernd auf dem PC dort laeuft. Von dort aus gehe ich ins Maedelszimmer, begruesse die Maedels und frage, wie es ihnen so geht.
Elnura zieht mich am Arm und sagt ich soll mich auf das Sofa setzen. Ich folge ihren Anweisungen, und schon sitzt sie auf meinem Schoss und sagt /Choppe Choppe Reiter/ (inzwischen kann sie sogar das ganze Lied schon singen). Ich mache mit ihr Hoppe Hoppe Reiter und schon kommen die naechsten Kinder an und wollen auch. Ich mache einen nach dem anderen. Die Kinder streiten sich darum, wer zuerst darf und ich nehme das Motto /Wenn 2 sich streiten, freut sich der 3./.
Waehrend ich dort so sitze und alle mal reiten duerfen, fangen die Kinder an, mir eine neue Frisur zu machen. Heute sollten es Zoepfe sein und so stehen mehrere Kinder hinter mir und flechten. Vom Hoppe, hoppe Reiter inzwischen losgekommen, steht Nurisa vor mir und darf die fertig geflechteten Zoepfe hochhalten.
Irgendwann sind sie fertig und machen alle Zoepfe wieder auf.
So geht das dann den ganzen Vormittag, zwischendurch gehe ich nochmal in das Jungs Zimmer und schaue, was sie dort zu treiben. Spaeter helfe ich Alinka beim Lesen lernen.
Zwischen 12Uhr und 12.30Uhr gehen Joma und ich essen. Es gibt, wie immer, Suppe und einen 2. Gang. Das Essen ist manchmal ok. Manchmal aber auch sehr schlecht. Ich esse was.
Nach dem Essen gehe ich wieder zu den Maedels, bis um 13Uhr dann /tichi tschas/ ist. Die Kinder liegen alle auf ihren Betten und sollten schlafen, anstattdessen provozieren sie gerne die aufpassenden groesseren Kinder, sodass nicht selten geschlagen wird. Da ich das nicht mit ansehen kann und auch nicht aendern kann, habe es schon einige Male probiert, gehe ich raus und suche Joma. Ich frage ihn seine Vokabelkarten ab und wir warten ab, bis 14Uhr ist und wir gehen.
Nach der Arbeit gehe ich in die Sprachschule, dort angekommen habe ich erst einmal eine Stunde Russisch, bevor ich dann selber dort Deutsch unterrichte. Ich habe 3 Deutschkurse hintereinander, zuerst ein Junge, der auch schon ein Jahr in Deutschland gelebt hat und sehr gut spricht. Ich unterhalte mich mit ihm, verbessere seine Aussprache und Saetze so gut es geht. Danach habe ich 2 Schueler, beide haben vor 3 Wochen angefangen Deutsch zu lernen und ich mache leichte Dialoge mit ihnen, damit sie Deutsch sprechen. In der 3. Stunde habe ich 2 Schueler, die schon einiges an Deutsch koennen, ich spreche mit ihnen und bringe ihnen verschiedene Redewendungen bei.
Nachdem ich dann genug Deutsch hatte und alle meine Schueler weg sind, gehe ich in das Sekretariat und unterhalte mich dort mit dem Chef und seiner Sekretaerin auf Englisch. Auch kommt Tonia rein, meine Ex-Russischlehrerin, und unterhaelt sich mit mir, wieso ich heute keine lebrjoschka dabei habe. (eine Art Brot)
Um 20Uhr verlasse ich die Sprachschule und gehe mit der Sekretaerin zur Strasse, um dort auf eine passende Marschrutka zu warten. Irgendwann kommt eine, ich verabschiede mich, steige in die marschrutka und fahre bis zum 6. Mikrorajon, dort steige ich aus, und laufe wieder vorbei an den kleinen Staenden und durch den Park. Ich schliesse zuhause die Tuer auf, und es ist keiner zuhause.
Ich mache mir etwas zu essen warm, esse und trinke dazu wieder Tee. In meinem Zimmer uebertrage ich alles, was ich heute im Russischunterricht aufgeschrieben habe, noch einmal fein saeuberlich und noch mit Uebersetzungen in ein eigenes Heft. Danach gehe ich ins Bett und lese dort noch eine Weile, bis ich zu muede bin oder der Strom weg ist.
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Das zu meinem Alltag hier, der sich zum Glueck inzwischen eingestellt hat.
Mit dem Russisch klappt es auch immer besser. Es gibt da so einen Moment, bei dem macht es /Klick/ und man hat einfach das Gefuehl, dass es einfacher ist und das man mehr versteht und auch schneller lernt. Ob es denn dann wirklich so ist, weiss ich nicht. Aber reingehoert hab ich mich inzwischen in das Russische und ich kann genau sagen, wenn etwas auf kirgisisch ist.
Im Kinderheim akzeptieren mich die Kinder jetzt grossteils, sodass es um einiges einfacher und entspannter ist, als am Anfang. Auch gibt es ein neues Kind, Alina (oben auf dem Foto zu sehen), die erst total eingeschuechtert war, doch schon noch 1 Tag war sie genauso wie die anderen Kinder, in jeder Hinsicht.
Letztes Wochenende war ich mit Philli (http://philina.wordpress.com) am Samstag auf dem Dordoy Basar. Dort haben wir fuer sie, und auch fuer mich, eine Hose gefunden und noch vieles andere.
Am Sonntag waren wir dann auf dem Osch Basar (siehe Foto rechts) und haben uns Hausschuhe gekauft, richtig schoen traditionell kirgisische.
Dieses Wochenende ist um einiges entspannter. Gestern abend waren Joma, Philipp und ich im Metro Pub, das ist der westliche Pub schlechthin und Philipp hat gestern auch endlich gestern sein Weizen (bayrisches) bekommen.
Heute morgen hab ich gelesen, danach mit meiner Gastmutter Mittag gegessen und bin dann ins Internetcafe gefahren, wo ich jetzt immer noch bin. Habe vorhin auch mit meiner Schwester ueber Skype telefoniert. Und gleich gehe ich noch Geld abheben, da ich mein den Eurowert meiner Som inzwischen an einer Hand abzaehlen kann.
Morgen will ich in den Zirkus gehen. Vielleicht frage ich auch noch meinen kleinen Gastbruder, ob er mitwill. Ansonsten meinte Olga (auch eine weltwaerts-Freiwillige) vorhin, dass sie vielleicht mitwill.
Das wieder mal von mir.
Ich freue mich immer ueber Nachrichten von euch, auch ueber Briefe. Nachdem der 1. schon ankam und ich jetzt weiss, dass sie nicht verlorengehen!
Liebe Gruesse aus dem kalten Bischkek. Zum Glueck werden heute oder morgen die Heizungen angestellt! Wird hier alles zentral geregelt…


hola querida

das klingt ja echt alles ganz nett!
nachdem ich schon festgestelt habe, dass sich Lima und Neu-Deli gar nicht so sehr unterschieden, muss ich feststellen, dass es zwischen unseren Laendern doch n ganz schoener Unterschied ist!!
Ich hab hier uebrigens noch nicht so gefrohren, wie dus mir prophezeit hast…da bin ich auch ganz froh drueber! Hier faengt ja gerade der Sommer an
Ich muss hier erstmal Tops und kurze Sachen kaufen
Wuensch dir noch viele weitere schoene Erfahrungen!
abrazos
la Celia